Das Audimax in Freiburg ist nicht mehr besetzt, es wurden viele viele Seiten Text ausgetauscht (Forderungen der BesetzerInnen, Antworten vom Rektorat), kilometerweise Stoff für Transparente bemalt und die eine oder andere Tonne leckerer Volxküchenspeisen zubereitet und verputzt. Ich will diesmal gar nicht so viel selbst kommentieren (weil ich ja nun auch schon eine Weile selbst nicht mehr so sehr hochschulpolitisch aktiv bin), sondern den ein oder anderen aufgeschnappten Kommentar als Frage weitergeben. Dafür stand mir Maggie Jaglo vom u-asta Vorstand kürzlich Rede und Antwort – auch für ein paar persönliche Fragen war Zeit.
Jetzt ist das Wochenende nach dem Ende der Besetzung rum: Hast Du denn schon allen nötigen Schlaf nachgeholt, oder warst Du selbst gar nicht so viel selbst dort?
Ich hatte zwar nicht so riesigen Schlafmangel, aber ich glaub ich hab mich jetzt schon wieder gut ins vorherherige Leben zurück manövriert.
Also war es schon ein anderes Leben?
Auf jeden Fall. Ich war ja einen ganzen Monat lang nicht im Training, hab einen ganzen Monat lang nicht zu Hause und vor allem eher einseitig ernährt, also zum Beispiel praktisch ohne Obst. Das hat man dann auch schon gemerkt.
Eine Bemerkung hört man immer wieder: Die Forderungen seien nicht neu und im Prinzip die selben wie bei den Protesten 97/98, dem Freiburger Frühling inklusive Rektoratsbesetzung 2005 oder den Freiburger Forderungen vom Januar/Februar diesen Jahres. Was war diesmal anders?
Anders war, daß es nicht nur die üblichen Verdächtigen waren. Also zwar auch, weil ja auch viele vom u-asta dabei waren, aber auch viele neue Leute, auch welche, die ich vielleicht als konservativ bezeichnen würde, die zB ein Stipendiensystem ausbauen wollten, was ja eigentlich nicht die Meinung von linken, progressiven oder u-asta-Leuten widerspiegelt.
Und anders war auch, daß auf die Forderungen richtig geantwortet wurde. Manche hat das Rektorat zwar auch nicht oder nur kurz beantwortet, bei manchen hatte ich den Eindruck, daß die Forderung nicht richtig gelesen wurde und manche Antworten fand ich auch frech oder anmaßend.
Eine andere typische skeptische Bemerkung: Es ändert sich ja doch nichts. Warum sollte diesmal – über die schriftlichen Antworten hinaus – auf die Forderungen eingangen werden? Warum sollte sich jetzt wirklich etwas ändern?
Weil die Bewegung ziemlich groß ist. Der Bildungsstreik geht ja weiter, auch wenn die Besetzung vorbei ist – oder ausgesetzt. Und ein paar Sachen haben sich ja auch schon getan. Heute zum Beispiel hat mein Dozent die Anwesenheitslisten zerrissen, weil von der Fakultät ein Brief kam, der Dozent oder die Dozentin habe die Anwesenheit selbst zu regeln. Und dann war’s das. Hätten jetzt nicht vier wochen lang Leute Listen geklaut wär das vielleicht nicht dabei rumgekommen. Auf jeden Fall ein erster Erfolg.
Wie geht es denn jetzt weiter? Offiziell ist die Besetzung ja nur ausgesetzt, bis zum 26.1., wie ich gehört habe? Wieviel von alledem sind tatsächlich Gruppenentscheidung und wieviel wird da gesteuert? Immerhin konnte man schon vorher in der BZ lesen – wenn auch nur als Gerücht – wann die Besetzung beendet werden würde.
Das mit dem 26. ist mir neu, das ist beim Plenum so nicht genannt worden. Vielleicht ist das ein gestreutes Gerücht, es könnte aber schon nach Lenkung aussehen. Natürlich gibt es immer ein paar Leute, die das Ruder in die hand nehmen, Forderungen ausarbeiten oder Plena leiten, anstatt Eintopf zu machen oder die Klos zu putzen.
Du hast die neuen Leute angesprochen, die sich beteiligt haben. Waren es mehrheitlich viele alte u-asta-Hasen? Wie groß ist denn der Anteil neuer Leute wirklich?
An u-Leuten waren es schon die üblichen Verdächtigen, also Henrike, Clemens oder wir Vorstände. Andererseits waren Leute, die sonst eher bei sowas aktiv sind, erstaunlicherweise gar nicht so engagiert, wie ich es erwartet hätte. Viele neue Leute gabs aber schon. Der Bildungsstreik hatte sich ja vorher schon getroffen, das waren auch viele Erstsemester und Leute, die ich vorher nicht gesehen hatte, auch bei GebührenFRei nicht. Das fand ich schon gut.
Viele neue Leute also. Was glaubst Du, wie können und werden diese neuen in den u-asta integriert werden könnnen? Der u-asta wird ja sicherlich einen Großteil der Forderungen übernehmen.
Also der u-asta steht ja voll hinter der Besetzung, auch wenn die Forderungen sicherlich nicht 1:1 übernommen werden werden, weil wir beim u-asta ja teilweise weitereichendere Forderungen haben. Aber z.B. hat sich in der letzten FSK ein neuer Referent vorgestellt, der auch bei der Besetzung ziemlich aktiv war. Leute, die da jetzt irgendwie Hochschulpolitik gemacht haben oder Redeleitung oder so, die hatten nicht unbedingt das Gefühl, zum u-asta zu gehen. Die sind zum Bildungsstreik gegangen. Das war so, weil der u-asta ja eigentlich auch keine Werbung gemacht hat, anders als manche parteipolitische Hochschulgruppe. Man muß die leute gezielt ansprechen und nicht erwarten, daß sie von alleine kommen. Ich glaub aber schon, daß wir die eine oder andere Person gefunden haben.
Zumal man in den Forderungen ja praktisch jedes auch unbesetzte Referat inhaltlich wiederfinden kann.
Ja klar. Leute, die PR gemacht haben, hab ich gefragt. Die waren aber erstmal ziemlich fertig und wollen dann nächstes Jahr, nächstes Semester mal gucken. Und das ist ja auch richtig, aber mittelfristig werden davon schon ein paar Leute hierher kommen, glaube ich.
Bei manchen Tweets von Freiburger Studierenden mußte man sich fragen, wie gut die Studierende eigentlich erreicht wurden. Am Anfang waren ja sehr viele da, dann weniger. Einige haben vielleicht gar nichts mitbekommen. Immerhin steht im Titel der Forderungen, daß es jene „der Freiburger Studierenden“ seien.
Ich glaube schon, daß man die Studierenden hätte besser erreichen können. Aber das ist halt ein mords Aufwand, da überall rauszufahren, auch personell. Teilweise ist es ein berechtigter Vorwurf, aber andererseits wußten es angesichts der Medienberichte eigentlich alle. Ich glaub aber, nicht alle wissen, daß es jetzt beendet wurde, das wurde wohl etwas schlechter kommuniziert.
Wie lautet denn Dein persönliches Fazit? Würdest Du es wieder machen oder bevorzugst Du nun andere Aktionsformen? Hat es Dir viel gebracht oder garnix?
Ich glaube, daß es viel gebracht hat. Allerdings glaube ich, daß man hätte Punkte besetzen können, die mehr weh tun. Also Hörsäle, die höher frequentiert sind, die es dem Rektorat nicht so einfach gemacht hätten zu sagen, wir dulden Euch und sind konstruktiv. Wir hatten ja teilweise echt das Potential, das KG1 abzuriegeln, aber das wollte dann halt niemand hören. An anderen Hochschulen wurden ja tatsächlich ganze Gebäude besetzt.
Im fudder-Interview hoffte der KG2-Hausmeister ja, daß es das nächste mal das KG1 trifft. Da seid ihr ja schonmal auf einer Linie. Und was hat es dir persönlich gebracht?
Zu erkennen, daß man sich auch mal dem Willen der Masse beugen muß. Wenn etwas abgestimmt wird, was mir nicht weitreichend genug ist, nicht zu sagen, das und das find ich doof, sondern zu sagen, ok, insgesamt find ich’s cool. Und auch zu sehen, wieviel Arbeit das ist, wie anspruchsvoll das ist. Hätte man mir am Anfang meiner Amtszeit im Oktober gesagt, wir besetzen jetzt vier Wochen das Audimax, hätt ich gesagt: „haha, alles klar, tschüß!“. Ich fand es interessant zu sehen, daß es auch funktioniert, wenn sich wir „Hauptverantwortlichen“ auch mal raushalten. Daß die Welt nicht untergeht, wenn man selbst mal nicht da ist. Daß die Vorwürfe, die man bekommt, wenn man mal nicht da ist, daß man die nicht an sich ranlassen muss. Daß ich stark genug bin zu sagen, nee, ich geh jetzt nach Hause oder nee, mein Handy ist jetzt aus oder nee, ich hab seit 6 Wochen Konzertkarten und ich fahr jetzt nach Karlsruhe.
Es hat also auch Downphasen mit sich gebracht?
Ja na klar! Die einen beschwerten sich, wo denn der Vorstand sei und was er mache und die anderen beschwerten sich, was sich denn der Vorstand da einmische. Das hat uns glaube ich alle drei auch belastet, so zwischen den Fronten zu stehen. Ich konnte es da natürlich nicht allen recht machen und kann auch die leute verstehen, die sich dann unfreundlich behandelt fühlten.
Vielen Dank für das Gespräch!
Gerngeschehn!