Heute ist sie tatsächlich eröffnet worden: Die FAZ-Lounge, das mit „Drittmitteln“ renovierte Cafe Senkrecht im Innenhof von KG 1, 2 und 3. Jetzt geht es also los mit Werbung an der Uni? Scheint so, denn an einem kleinen Stand vor dem Cafe steht ein Häuflein Studierender mit vielen anderen Zeitungen von BILD bis taz. Dieser Teil der Kritik an der FAZ-Lounge leuchtet unmittelbar ein: Dort liegen nur FAZ und BZ (die hiesige Lokalzeitung) aus. Die versuchte Meinungsmonopolbildung in den vielleicht 50 Quadratmetern Studentenwerkscafe steht dem vielseitigen, dem universellen Bildungs- und eben auch Meinungsbildungsanspruch einer Universität offensichtlich entgegen. So weit, so banal.
Sprechen die KitikerInnen den Studierenden hier tatsächlich die Auswahlkompetenz ab, sich aus frei gewählten Quellen zu informieren? Es zeigt sich eine weitere Kritikebene: Das konservative Dammbruchargument „Wo kommen wir denn da hin?“ steht im Raum. Da wird aus dem bereits für einen bayerischen Automobilhersteller werbenden Audimax ein Aldi-Max, im Nachmittagsprogramm des Privatfernsehens verfolgen wir täglich das Programm des RTL-Instituts für Anthropologie und Genderstudies und in Afghanistan setzt die Bundeswehr die neuesten Forschungsergebnisse des Heckler-und-Koch-Lehrstuhls für autonome Robotik erfolgreich ein. Der dieses werbeinstrumentelle Horrorszenario an die eigens herbeigeschaffte Pinnwand malende Zeitstrahl ist denn auch auf 15 Jahre angelegt. Der lange Marsch des Kapitalismus an die Universität?
Wohl kaum. Studierende wie Lehrende und Mitarbeitende sind schon immer auch Konsumierende, von Kindesbeinen an an Werbung gewöhnt und gegen ihre Wirkung abgestumpft. Der Fokus der Kritik sollte an andere Stelle gesetzt werden: Beim Einfluß, den „die, die es bezahlen“, gerne mal einfordern. Hier geht es dann um nichts geringeres als die Freiheit von Forschung und Lehre. Kann nicht aber auch ein freier Forscher oder Lehrer seinen Kaffee in einer FAZ-Lounge einnehmen?
Zum Beispiel während er seine mitgebrachte taz liest…