War Filbinger Antifaschist?

Nachdem Alt-Nazi und -Ministerpräsident Hans Filbinger gestern unter die schwarz-braune Erde kam überschlagen sich die Medien weiter über seine Vergangenheit als Marinerichter, Militärstaatsanwalt und Exekutionskommandeur im 3. Reich. So scheint es. Tatsächlich diskutiert wird aber über die Worte von Ministerpräsident Günther Oettinger bei den Trauerfeierlichkeiten im Freiburger Münster, mit denen er nun nichtmehr nur als Ministerpräsident Baden-Württembergs in der Nachfolge Filbingers steht.
Im Kern der umstrittenen Äußerungen stehen Sätze wie die unsägliche weil lediglich juristisch formal korrekte Formulierung „Es gibt kein Urteil von Hans Filbinger, durch das ein Mensch sein Leben verloren hätte.“. Auf die Spitze trieb es Oettinger jedoch mit der grotesken Behauptung „Hans Filbinger war kein Nationalsozialist. Im Gegenteil: Er war ein Gegner des NS-Regimes.“. Ein Schlag ins Gesicht aller Widerstandskämpfer und Opfer von furchtbaren Juristen wie Filbinger einer war.
Zwischenzeitlich wurde heute Nachmittag über SpiegelOnline gemeldet, Oettingers Redenschreiber hätten über diesen Teil der Rede heftig gestritten, wobei die „Erzkonservativen“ gesiegt hätten. Ganz abgesehen davon, daß auch hier das gesprochene Wort gilt schlägt dieser Versuch, Druck vom Ministerpräsidenten zu nehmen spektakulär fehl. Vielmehr drängt sich die Frage auf, welche Gesinnungen in der CDU unter die Kategorie „erzkonservativ“ fallen. Bestrebungen in den Medien, zuletzt in „Baden-Württemberg aktuell“ im SWR Fernsehen, Oettingers Worte als ein Zugeständnis an eben diese Kreise umzudeuten vermögen lediglich vom Kern der Debatte abzulenken.
Aus dem Stuttgarter Staatministerium war heute keine Stellungnahme zu bekommen. Von den Oppositionsparteien und anderen politischen Gruppen bis hin zum Zentralrat der Juden waren Empörung, Wut und Unverständnis zu vernehmen, auch Sarkasmus ist anzutreffen. Rolf Hochhuth qualifiziert Oettingers Äußerungen anhand der Geschichte des Opfers Walter Gröger als „unverfrorene Erfindung„. Noch fordert niemand (Update: außer dem Schriftsteller Ralph Giordano) Oettingers Rücktritt, aber morgen ist ja auch wieder ein Tag. Freitag, der 13.

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