AKW Fessenheim: Am Sonntag hinradeln und abschalten!

8. April 2011, 21:35 Uhr Keine Kommentare

Es ist eines der ältesten Kernkraftwerke Europas. Wahrscheinlich gehört es auch zu den störanfälligsten dieser Harakirimaschinen, aber welchem Betreiber kann man hinsichtlicher seiner Informationspolitik eigentlich noch Glauben schenken? Die Rede ist vom AKW Fessenheim. Eine halbe Rheinbreite von Deutschland entfernt ist es die größte Bedrohung dieser Art für unsere Region. Neckarwestheim, Biblis und wie sie nicht alle heißen, sind vergleichsweise weit weg.

Immer wieder sorgt der Schrottreaktor mit der Qualitätsanmutung einer Wellblechgarage für Schlagzeilen. Zuletzt gestern, als ein schon Tage zurückliegender Störfall mit Selbstabschaltung und allem drum und dran bekannt wurde. Nun soll auch noch Strahlung ausgetreten sein – vielleicht aber auch nicht. Zuviel Spekulation um sich noch sicher zu fühlen!

Das alles geschieht gerademal gut 20 km von der Fahrradstadt Freiburg entfernt. Was liegt also näher, als es den europäischen Atombonzen auf unsere Weise zu zeigen? Start der Radtour ist 12 Uhr, High Noon, am Haslacher Dorfbrunnen (wo sich Carl-Kistner- und Markgrafenstraßen Guten Tag sagen). Um 14 Uhr (es braucht also niemand zu rasen, es sind nur ca. 22 km) soll dann die Rheininsel erreicht sein, von wo aus das Kraftwerk in Sicht- und Rufweite liegt.

Zusammengefasst:
- Wer? RADTOUR zur deutsch-französischen Auftakt-Protestaktion für eine strahlenfreie Zukunft des AktionsBündnis FESSENHEIM stillegen JETZT!
- Was? ab 14.00 Uhr Picknick-Reden-Kultur-Musik-Ballonaktion Picknickutensilien bitte mitbringen!
- Warum? Fessenheim ist verdammt nah an Freiburg – so nah, dass man locker mit dem Rad hinfahren kann.
- Wo? Treffen um 12 Uhr am Dorfbrunnen in Haslach.

Und jetzt? Fahrrad bereitmachen und am besten Teilnahme ankündingen.

Die Amateurfunker und der Papst.

11. März 2011, 11:57 Uhr Keine Kommentare

Selten findet sich in der Badischen Zeitung eine Meldung, die man als U-31-jähriger, technikaffiner Mensch einfach nicht versteht, weil sie von Fachbegriffen nur so wimmelt. Wenn nämlich von „Rufzeichen“ die Rede ist, die zudem „in aller Welt sehr begehrt“ seien, dann wird einem langsam klar, daß es da draußen noch etwas geben muß. Etwas weitgehend Unbekanntes, nur wenigen eingeweihten, ehrwürdigen grauen Herren Zugängliches, irgendwo zwischen Spielzeug-Walkie-Talkie und iPhone.

Sind diese „Rufzeichen“ so etwas wie Benutzernamen bei Twitter? (weiterlesen bei fudder.de)

Metal Macchiato

24. Februar 2011, 11:55 Uhr Keine Kommentare

Manchmal finden Flyer und Zielgruppe an merkwürdigen Orten zusammen, wie in diesem Fall, der sich an einem beinahe schönen Nachmittag am Münsterplatz zutrug. Eine schwer metallische Glosse über das verpappbecherte Freiburg.

(… weiterlesen bei fudder.de)

Nicht würfeln, entern!

21. Februar 2011, 8:40 Uhr Keine Kommentare

Nach der Wahl in Hamburg verdient die kommende Landtagswahl hier in Baden-Württemberg etwas mehr Aufmerksamkeit. Für die aus studentischer Sicht besonders wichtigen Themen gibt es unter dem Titel “Nicht würfeln, wählen!” eine Veranstaltungreihe mit Vertretern etlicher Parteien, um die Wahlentscheidung etwas weniger kniffelig zu gestalten. Alle im Landtag vertretenen Parteien waren schon da, vergangenen Montag war die Linkspartei dran und heute macht Andre Martens von der Piratenpartei den Abschluß. Da inzwischen die Vorlesungszeit vorbei ist könnten dann auch mal mehr Studierende politisches Interesse zeigen als bei den bisherigen Veranstaltungen Zeit hatten. Der Montagstermin um 18 Uhr (HS 1199) tat sein übriges. Allerdings wurde die Reihe auch nicht übermäßig aggressiv beworben.

Kairo ist nicht Leipzig. Aber fast.

4. Februar 2011, 16:27 Uhr 1 Kommentar

Immer wieder liest man Anklänge von Vergleichen, die Parallelen zwischen der friedlichen Revolution in Deutschland und dem gesamten Ostblock 1989 und dem, was in diesen Minuten und Tagen in Kairo, ganz Ägypten und anderen Ländern in der arabischen Welt suchen und finden wollen. Kaum jemanden werden die Bilder vom Tahrir Square, dem seinem Namen nach schon fast prophetischen Platz der Befreiung, kalt lassen. Mir jedenfalls kamen in den letzten Tagen die Bilder der großen Demonstrationen in Leipzig im Oktober 1989 in den Sinn. Seit vorgestern war an andere Bilder zu denken, etwa an das gewaltsame Vorgehen von Polizei und Staatssicherheit gegen die Demonstrationen in der DDR im Oktober 1989. Bei den feiernden, fahnenschwenkenden Massen die sich zur Stunde friedlich in Kairo versammelt haben ist ein freudentränenverzerrter Blick zurück an die Szenen, die sich am 9. November 1989 an Grenzübergängen in Berlin abspielten. Aber wie vergleichbar sind die Situationen wirklich?

Medien

Selbstverständlich ist die Medienwelt heute eine andere als vor 21 Jahren. Nach allem was ich bisher gehört und gelesen habe muß man bei der sich in Ägypten abspielenden friedlichen Revolution (ich nenne sie bewußt friedlich, denn die Gewalt ging vom Staat aus!) zwischen der medialen Vernetzung im Land und dem Transport in andere Länder differenzieren: Anscheinend spielen die oft genannten Medien wie Twitter oder Facebook nach außen eine andere Rolle als nach innen, wo man sie zwar auch nutzt, aber anders, und sich eher auf Blogs stützt oder sich ganz klassisch per Telefon etc. vernetzt. Eine Parallele sind logischer Weise Rolle und Inhalt des Staatsfernsehens und daß ausländischen Medienberichterstattern Schwierigkeiten bereitet werden. Meines Erachtens aber der Schlüssel ist das Versagen einer überalterten Machtelite, die Rolle neuer Medien adäquat einzuschätzen: So wie Honecker und seine grauhaarigen Schergen das in weiten Teilen der DDR-Bevölkerung empfangbare Fernsehen aus der Bundesrepublik unterschätzt haben (man denke nicht nur an Nachrichten sondern auch an die Suggestivkraft von Werbung!) hat man in Ägypten den Internetzugang erst dann massiv eingeschränkt, als die Leute nach Monaten und Jahren von Regimekritik im Netz (und wiederholten Repressionen gegen Blogger) bereits auf die Straße gingen. In beiden Fällen hatte eine zahlenmäßig relativ kleine Gruppe Oppositioneller bereits eine Massenbewegung ausgelöst. Wer zu spät kommt, den bestraft das medienvermittelte Leben.

Machtblöcke

Vielleicht kann jemand bitte in den Kommentaren näheres erläutern, denn ich kenne mich, wie viel zu viele, nicht gut genug in der arabischen Welt aus. Ich glaube aber sagen zu können, daß Ägyptens Einbindung nicht so stark ist wie die Situation der DDR in den achtziger Jahren, wo es Glasnost und Perestroika bedurfte, um den gesellschaftlichen Aufbruch weg vom SED-Staatssozialismus möglich zu machen. Die US-Bindung Ägyptens und die Beziehungen zu Isreal sind wohl etwas grundsätzlich anderes als der ziemlich einzigartige Kalte Krieg. Eine weitere Frage die zu stellen wäre, ist die der Teilung: Kann man, und wenn ja: inwiefern, die Existenz der Bundesrepublik, also eines zweiten deutschen Staates mit deutscher Sprache und Kultur, mit der Existenz angrenzender ebenfalls arabischsprachiger Staaten mit arabischer Kultur vergleichen?

Waffen

In der DDR haben deutsche Soldaten nicht auf deutsche Bürger geschossen, sich ihnen in Leipzig knapp nicht in den Weg gestellt. Die ägyptische Armee stand tatenlos daneben, als allen Indizien nach mutmaßlich Polizisten in Zivil, Staatssicherheit und gekaufte Schläger die friedlichen Demonstranten auf dem Tahrir Square mit Steinen und Stöcken, Pferden und Kamelen, jedoch nicht mit Schußwaffen angriffen. Im Herbst 1989 trat die Volkspolizei offen, die Staatssicherheit verdeckt aber konkludent erkennbar auf. Man fürchtete eine sog. “chinesische Lösung”, die Erinnerung an das Massaker auf dem Platz des himmlischen Friedens in Peking war noch frisch. In Kairo lösten die anrollenden Panzer Begeisterung aus, obwohl sich die Armee bis zur Stunde zu keiner Seite bekannt hat.

Geschwindigkeit

Was in Ägypten passiert geschieht in atemberaubender Geschwindigkeit, selbst während ich diesen Text schreibe überschlagen sich die Ereignisse: Das Staatsfernsehen zeigt Bilder der Massendemonstration auf dem Tahrir Square und ein Telefoninterview mit einem Demonstrationsorganisator, der darin ankündigt, daß die Proteste auf dem Platz weitergehen werden. Damit sind Teile dessen, was ich unter “Medien” schrieb, schon wieder hinfällig und ich breche an dieser Stelle mal ab, verzichte auf ein Fazit und staune stumm über die überwältigenden Bilder auf Al Jazeera. Sonst schreibe ich immernoch, wenn Mubarak zurücktritt, worüber es bereits Gerüchte zu geben scheint. Einen Weg zurück gibt es jedenfalls nicht mehr, soviel ist sicher.

Die Studierenden von heute und die UB von morgen.

1. Februar 2011, 12:00 Uhr Keine Kommentare

Die neue UB der Uni Freiburg ist mitten im Umbau, die alte UB schon fast in Vergessenheit geraten. Trotz nur weniger Jahre Bauzeit ergibt sich für die Studierenden ein Generationenproblem: Sie müssen die Interessen der zukünftigen UB-Nutzer schon heute vertreten.

Ob es nun vier oder fünf Jahre dauert, sie ist gewissermaßen trotzdem ein Generationenprojekt: Die neue alte Universitätsbibliothek am Rotteckring wird … (weiterlesen bei fudder.de)

Twitterer on the Ground.

31. Januar 2011, 20:47 Uhr Keine Kommentare

Ob Mubaraks Zeit in Am und Würden vorbei ist kann bei aller Euphorie heute noch niemand seriös beurteilen. Daß der lange Arm des Westens, allen voran der USA, langsam müde wird ist hingegen offensichtlich, schreibt Stefan Kornelius in der Süddeutschen. Wie immer kann ich mich auch hier bei beiden Allgemeinweisheiten auch völlig geirrt haben. Äußerst spannend ist jedoch der Meta-Diskurs über die mediale Verwurstung der dramatischen Ereignisse im Pyramidenstaat: Die ist nämlich in der Tat vielleicht nicht revolutionär, aber Phänomen einer Revolution, die nicht einfach so im Sande verlaufen wird, wie es in Kairo und Alexandria zumindest nicht völlig ausgeschlossen scheint.

Das Versagen der Altmedien

Das Versagen des deutschen Fernsehsender fasst Thomas Lückerath im Medienmagazin DWDL zusammen: Die finanziellen Mittel reichen aus verschiedenen Gründen insbesondere bei den privatwirtschaftlich organisierten Nachrichtensendern für eine umfassende Berichterstattung schon länger nicht mehr aus. Vorbei die Zeiten von Hochwasser24 und Deichbruch-tv. Anders ist es bei den öffentlich-rechtlichen, die nicht nur hervorragende Journalisten stets in alle Welt entsandt haben, sondern mit ihren Digitalkanälen auch die Kapazitäten für mehr als einen kurzen Brennpunkt am Abend vorhalten. Vor diesem Hintergrund erscheint die Prioritätensetzung zumindest merkwürdig, auch im Vergleich mit anderen dramatischen Eriegnissen wie beispielsweise Ballacks Knie zur Fußballweltmeisterschaft.

Gleichwohl halte ich es für verfehlt, in einem Rundumschlag von einem “Versagen der deutschen Medien” zu sprechen. Der Presseclub am Sonntag beispielsweise widmete sich in spontan hervorragender Besetzung von vielen Seiten den Ereignissen in Ägypten, so daß man sogar erkennen konnte, daß wir nicht wissen, wieviel wir nicht wissen. Ich glaube wir sitzen hier einem Definitionsproblem auf: Was sind denn eigentlich “die deutschen Medien”? Gab es da nicht neulich noch soetwas wie Globalisierung? Sehr viele deutsche Medienkonsumenten können (auf Empfangs- und Sprachebene) einem Fernsehprogramm in englischer Sprache folgen. Macht das nicht Al Jazeera English, dem in Katar beheimateten Nachrichtensender aus dem arabischen Raum, dem für seine Berichterstattung aus Ägypten schon jetzt der eine oder andere Medienpreis zugesprochen werden könnte, nicht zu einem “deutschen Medium”? Daß es auf eine eventuelle Voreingenommenheit von Al Jazeera nicht so sehr ankommt wie einige meinen hat Don Dahlmann heute präzise dargestellt und eingeordnet. Und wir sind immernoch nur beim Fernsehen. Wir sollten uns einigen: Auf ein Versagen der deutschen Altmedien.

Unser Mann in Kairo

Seit heute haben wir nämlich selbst unseren eigenen Mann in Kairo. Es handelt sich um den Blogger mit Redaktionshintergrund Richard Gutjahr. Und wir, das sind die deutschen Medien und Medienkonsumenten an der Stelle wo beide zusammentreffen. Wir nennen es digitale Öffentlichkeit und meinen Öffentlichkeit. Nicht nur angesichts der Roamingkosten, die auf Gutjahr zukommen dürften (anscheinend ist er der Einzige in Ägypten, der noch ein funktionierendes iPhone hat) erleben wir hier, so glauben viele, spendenfinanzierten Bürgerjournalismus. Andere, Nico Lumma etwa, tun seinen Einsatz unsachlicher Weise als Selbstdarstellung ab. Ich halte seine Kritik aus mehreren Gründen für vollkommen verfehlt. Zunächst einmal ist Gutjahrs Aktion aus naheliegenden Gründen nicht vollkommen ungefährlich, ein direkter finanzieller Gewinn zumindest unwahrscheinlich.

Der Knackpunkt ist jedoch: Selbstdarstellung gehört dazu. Wir nennen das zur Zeit Social Media. Wenn der Journalist selbst, als Person, zur Marke wird, zum Aushängeschild für Glaubwürdigkeit und Authentizität, er also abgekoppelt ist von der an Bedeutung verlierenden Marke des Mediums in dem er publiziert, dann gehört die Selbstdarstellung nicht nur zum System, dann ist sie das System und nicht mehr Selbstdarstellung. It’s the Power of the Network, die das System Mubarak ins wanken gebracht hat, die den Tunesiern hoffentlich im Ergebnis mehr Freiheit gebracht haben wird und die auch den Journalismus ziemlich offensichtlich umkrempelt. Die laut tweetmeme aktuell über 460 Retweets von

@gutjahr: On my way to Cairo. | G! http://bit.ly/fJEIkl

sind nicht etwa unreflektiert, wie Lumma sie verunglimpft, sondern nicht mehr aber auch nicht weniger als ein Ausdruck von Glaubwürdigkeit und Authentizität.

Spannend.

Mit Vokalwahrnehmung Preise gewinnen.

26. Januar 2011, 18:28 Uhr 3 Kommentare

Ich weiß selbst nicht, was es für Preise zu gewinnen gibt, aber ich kann abschätzen, wie schwer es ist, 100 passende Teilnehmer für egal welche Art Studie zu finden. Schließlich gehört der im Bild befindliche Daumen einem Abrißunternehmer Hausmeister der Uni. Daher nutze ich diese Möglichkeit, um auf die Studie aufmerksam zu machen, zumal ich den Verdacht habe, daß einige meiner LeserInnen zum gesuchten Personenkreis gehören. Einfach bei @anne_julie melden (folgen lohnt auch!).

Vom Schönberg auf Freiburg geblickt.

16. Januar 2011, 18:46 Uhr 2 Kommentare

Am ersten richtig schönen Sonntag des Jahres bei brutalstmöglich blauem Himmel sollte man mal raus aus der Stadt. Auch wenn der Sonnenschein bis unten durchschlägt und nicht erst eine Wolkendecke durchbrochen werden muss ergeben sich doch gerne mal schöne Aussichten. Daß der Schönberg seinen Namen zu Recht trägt ist aus den Bildern hoffentlich ersichtlich. Außer dem Gipfel wurde übrigens auch die Schneeburg erstürmt.

Als Bonus gibt es diesmal noch ein Panorama vom Schauinsland …

… und eins von Freiburg.

Das Freiburgpanorama (unten) besteht aus 5 HDR-Fotos vom iPhone (geschossen mit ProHDR), die Hugin zum Panorama zusammengestrickt hat. Das obere Panorama mit dem Schauinsland hat das iPhone ganz alleine gemacht, und zwar mit 360 Panorama. Nun aber genug der Tipps.

Schön altern: UB-Umbau geht in schmutzige Runde.

12. Januar 2011, 16:46 Uhr 2 Kommentare

Pressestelle, Rektorat, Universitätsbauamt und Universitätsbibliothek: Die Rekonstruktion der Freiburger Universitätsbibliothek bewegt die gesamte Hochschule. Noch im Januar werden die Baumaßnahmen “sicht- hör- und riechbar”, so Rektor Prof. Schiewer bei der heutigen Pressekonferenz im ehemaligen Büro des Schluchseewerkevorstands im heutigen Übergangsgebäude für die Umbauzeit, der UB2.

Wenn der schon seit Jahren bröckelige Sichtbeton von der kompletten alten Fassade entfernt wird dürfte es um einiges lauter und staubiger werden als beim Abriß der alten Fußgängerbrücke im Herbst 2009. Die Fassade ist aber nur der Anfang des Rückbaus, denn weniger ist mehr: Um zwei Drittel wird das Gebäude verkleinert, in dem ab der voraussichtlichen Inbetriebnahme zum Wintersemester 2013/2014 fünfzehntausend Kubikmeter umbauter Raum weniger zu beheizen und kühlen sein werden. Bei gleichbleibender Nutzfläche wohlgemerkt. Die erheblichen Betriebskosten des technisch hoffnungslos überholten Altbaus aus den siebziger Jahren, die laut Schiewer bislang “aus Forschung und Lehre quersubventioniert” werden mußten, sind bekanntermaßen einer der Hauptgründe für den massiven Umbau.

Aber auch der eine oder andere Sack wurde mit Schadstoffen aller Art gefüllt. Diese Arbeiten wurden im vergangenen Jahr unter naheliegenden Sicherheitsvorkehrungen abgeschlossen. Bis zum Umzug in die Stadthalle wurde ohne Sicherheitsvorkehrungen neben und unter diesen Schadstoffen gelernt und gearbeitet. Abenteuerlich bleibt es für die Mitarbeiter des Tiefmagazins im 2. und 3. Untergeschoß: während am oberirdischen Gebäudeteil der kontrollierte Rückbau läuft bleiben unter Tage die 3,5 Millionen dort eingelagerten Bücher per Bestellung zugänglich. Sie vor weiteren Wassereinbrüchen zu bewahren wird eine wichtige Aufgabe, solange der Rohbau wie zur Zeit Wind und Wetter ausgesetzt ist.

Zusätzlich zu Lärm und Staub wird es während der Abrißarbeiten auch Straßensperrungen im Umfeld des Gebäudes geben. So werden je nach Bauabschnitt Sedan-, Milch- und Belfortstraße voll und der Rotteckring halbseitig gesperrt. Für Autofahrer ein kleiner Vorgeschmack auf die kommende Fußgängerzone, für die Anwohner des Sedanviertels eine weitere Verkehrsbelastung nachdem der Wegfall der UB-Tiefgarage die Parkplatzsituation bereits verschärft hatte.

Fast seit Einrichtung der Baustelle gibt es an der Südostecke des Gebäudes einen kleinen Vorgeschmack auf die neue Fassade, bei der das ursprünglich geplante eloxierte Aluminium inzwischen poliertem Chromstahl gewichen ist. Je nach Tageszeit und Lichtverhältnissen wird sich das Gebäude unterschiedlich präsentieren. Einmal reflektieren Glas und Stahl die Farben ihrer Umgebung komplett, bei Dunkelheit treten helle Fenster neben dunklen Fassadenteilen kontrastreich hervor. Auch als Reaktion auf die Schadstoffprobleme der einstmals als Bücherbunker bezeichneten und dennoch höchst modernen Bibliothek werden unbehandelte Oberflächen zentraler Bestandteil des Materialkonzeptes sein, die “natürlich altern”.

Während im Übergangsdomizil in der Stadthalle schon die 24-Stunden-Bibliothek praktiziert wird gibt das neue Gebäude dann Raum und Möglichkeit für all die neuen, in Workshops und Befragungen entwickelten Nutzungskonzepte, die UB-Direktorin Kellersohn unter den Punkten “Offenheit, Selbstbedienung, differenzierte Arbeitsmöglichkeiten” zusammenfasste. Schaut man sich die zum Teil überfüllten Bibliotheken im Zentrum an so dürfte so manchem die Anzahl der 1700 Arbeitsplätze in der neuen alten UB wichtiger sein als ihre Gestaltung.