Lässt die VAG für das Sozialticket marktforschen?
Könnte sein. Denn grad erhielt ich einen Anruf, der sich als vernuscheltes Marktforschungsinstitut ausgab und einleitend behauptete, die VAG Freiburg untersuche derzeit die Einführung eines verbilligten, nur in Freiburg gültigen Tickets nur für bestimmte bedürftige Gruppen wie etwa Hartz IV Empfänger. Gefragt wurde, ob es solche oder andere aus einer langen Liste in meinem Haushalt gebe.
Ich frage mich nun, ob, sollte der Anruf tatsächlich dem vorgeblichen Zwecke gedient haben, es wirklich nötig ist, den Bedarf für ein Sozialticket per Telefonumfrage auszuloten. Die hierfür benötigten Daten wie etwa die Anzahl der Empfänger von Arbeitslosengeld II sind doch vorhanden.


Nicht jeder Empfänger von ALG II benötigt eine Regiokarte. Übrigens auch nicht jeder nicht von Harzt IV betroffene. Ich selbst habe z.B. lange Zeit keine Regiokarte gehabt und bin jeden Tag von der Innenstadt in die Wiehre zum Arbeiten gelaufen. Andere nutzen z.B. das Fahrrad. Insofern macht es mE durchaus Sinn, den Bedarf zu ermitteln. Ist ja wichtig dafür, was finanziell bei einer Einführung eines solchen Tickets auf den städtischen Haushalt zukommen würde.
wenn noch gefragt worden wäre, ob man ein solches ticket kaufen würde, dann würde es tatsächlich sinn ergeben. um eine regiokarte ging es allerdings offenbar nicht, sondern um ein nur in freiburg gültiges ticket. aber auch hier: wer weiß, was noch alles gefragt worden wäre …
Lieber Konstantin,
das macht die VAG meines Wissens auf Initiative der Grünen hin tatsächlich, also das mit der entsprechenden Datenerhebung (oder, Tim?). Und so ganz einfach ist das mit den ALG-Zahlen auch nicht – weder datenschutzmäßig (VAG != Stadt), jedenfalls wenn man mehr als die “nackten” Statistiken haben will, noch, wie Tim schon anmerkte, hinsichtlich einer wirklichen Bedarfs- und damit Kostenanalyse.
Dazu müsste man vor allen Dingen auch wissen, wie viele momentan *verkaufte* Regiokarten/Einzelfahrscheine dann nicht mehr verkauft würden bzw. ob ggf. zusätzliche Bahnen eingesetzt werden müssten, weil die Auslastung zunimmt (letzteres halte ich für unwahrscheinlich).
Grüße,
Thorsten
die etwas kleinkarierte diskussion um eine kurzstreckenkarte im ÖPNV zeigt relativ deutlich, wie borniert freiburg (häufig) ist. gerade den grünen, die bei diesem thema jetzt schon von der cdu links überholt werden, sollte es eigentlich ohne weiteres einleuchten, dass bei einem nicht-wucherähnlichen preis mehr leute kurze strecken mit bus und bahn (bzw. mit ticket statt schwarz) erledigen würden, und dass mittelfristig der ÖPNV aus diesem und anderen gründen sowieso zum null-tarif angeboten werden sollte. andernorts funktioniert das sehr gut (https://linksunten.indymedia.org/de/node/18580).
@filtor
leider gerade keine zeit, dass hier detailliert auszuführen, aber ich sehe ein billiges kurzstreckenticket verkehrspolitisch als kritisch. denn ziel sollte es sein, dass nicht mehr über die kosten der einzelnen fahrt die entscheidung fällt, ob umweltfreundlich gefahren wird, sondern möglichst viele eine zeitkarte haben, die einzelne fahrt also quasi “kostenlos”. (so wie ja auch eine kurze autofahrt “kostenlos” wahrgenommen wird, weil die fixkosten und auch das auftanken nicht auf die einzelne fahrt umgerechnet werden). soviel zum kurzstreckenticket.
am besten wäre es natürlich, wenn diese zeitkarten möglichst wenig, am besten natürlich garnicht kosten. leider sehe ich hierzu momentan kein finanzierungsmodell, was das erlauben würde (z.B. in Richtung einer nahverkehrsabgabe der Kommune), und aus dem normalen Haushalt wird man das leider auch nicht finanzieren können. hier nun setzt die meines Erachtens vollkommen richtige Diskussion ums Sozialticket ein: für manche ist die aktuelle regiokarte zu teuer, da muß man schauen, ob man eine finanzierbare lösung für diese gruppe findet. hierzu werden wohl zur zeit daten erhoben. ich selbst fände es natürlich besser, wenn – es handelt sich hier ja nicht um ein spezifisch freiburger Problem – hier auf Bundesebene gehandelt würde und die Hartz IV-Sätze so angepasst würden, dass Mobilität bezahlbar ist.