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Prof. Hefendehl und seine DDR-Jacke: 2 Nachträge.

18. November 2008

ad 1: Ein (natürlich nicht abgedruckter…) BZ-Leserbrief von J. P. Thurn:

Wenn der Nachwuchs der Filbinger-Partei die “Verharmlosung” der Verbrechen eines “Unrechtsstaates” beklagt, ist das schon etwas eigenartig. Spätestens wenn der RCDS fast im gleichen Atemzug die geheimdienstliche Beobachtung der “Linken.SDS” fordert, weil die öffentliche Marx-Lesekreise organisiert, ist klar, wes Geistes Kind diese vorgeblich um Bürgerrechte bemühte Gruppe ist. Dass Volk und Co. von Prof. Hefendehl, der – nicht nur in seiner Vorlesung – konsequent liberal-rechtsstaatliche Positionen vertritt, eine “Distanzierung” von der DDR verlangen, ist nun wirklich zu viel des Blöden.

ad 2: Das Rektorat hat die Bekleidungsvorschrift nochmals bestätigt, wie fudder.de berichtet. Rektor Schiewer gehe davon aus, daß das Tragen der DDR-Jacke in der Vorlesung ein einmaliger Vorgang gewesen sei. Es könnte gut sein, daß sich die Studierendenvertretung nun doch mit der ganzen Sache beschäftigen muss, z.B. heute in der Fachschaftenkonferenz (FSK).

  1. 22. November 2008, 03:39 | #1

    Vielleicht war J. P. Thurn im kürzlich von Prof. Jesse gehaltenen Vortrag über die SED-Nachfolgepartei anwesend. Vielleicht aber auch nicht. In jedem Falle täte es gut auch mal an dieser Stelle zu erwähnen, welch Gedankengut die Linkspartei noch mit sich herumschleppt, das Jesse als “smarten Extremismus” bezeichnete.

    Auch hat sie sich nie von ihrer Vergangenheit klar distanziert. Sätze zu einem Systemwechsel gehen den Parteigrößen nach wie vor locker über die Lippen.

    Unter diesem Gesichtspunkt auch mal den Kadernachwuchs der Linkspartei näher zu betrachten, ist ja nicht per se unsinnig, sofern antidemokratische Umtriebe zu befürchten wären. Immerhin schützt der Verfassungsschutz die Grundordnung unseres freiheitlich-demokratischen Staates – entgegen dessen Pendants in der DDR, welcher den Unrechtsstaat zementierte. Falls also wirklich Anlass zur Sorge gäbe, wären die schon längst involviert. :)
    Insofern fällt das mal unter der Kategorie des zugespitzten Meinungskampfes. Der Debattierclub lässt grüßen.

    Dass aber nun Prof. Hefendehl meint, den Meinungskampf auf seine Weise in seiner Vorlesung fortsetzen zu müssen, halte ich im konkreten Fall für deplatziert. In seiner Freizeit kann er das auf Podiumsdiskussionen gerne tun, doch bitte nicht in der Vorlesung. Indem er mit einer Vergangenheit kokettierte, die um einiges schlimmer war, als was er nun mit ihr symbolhaft anzuprangern versuchte, empfand ich dies auch als verletzend. Ich kenne eben Leute in meinem familiären Umfeld, die aufgrund eines gestellten Ausreiseantrages als Staatsfeinde galten. Wie mit diesen Menschen in der DDR umgegangen wurde, kann man durch den Film “Das Leben der Anderen” ja deutlich erahnen.

    Die Konsequenzen des Ganzen sind ja auch recht harmlos. Wird er halt auf die DDR-Jacke fortan verzichten müssen.

    Was lernen wir daraus? Es gibt eben doch Menschen, die das Spielen mit Symbolen eines Unrechtsstaates als störend empfinden. Dass der RCDS das auch mal deutlich zur Sprache gebracht hat, begrüße ich. Wer hätte hier denn ansonsten auch seine Stimme erheben sollen? Wie das große Presseecho zeigte, herrschte ja durchaus einiges an Diskussionsbedarf.

    Ich lege übrigens Wert darauf, dass ich generell meine eigene Meinung vertrete und mich nicht als Sprachrohr des RCDS verstehe, bei dem ich übrigens kein Mitglied bin. Meine aktiven JU-Zeiten sind auch schon ein paar Jährchen her. Doch als historisch sensibler moderater Konservativer, geboren in der DDR und aufgewachsen in den Wendejahren, ist die Angelegenheit mir doch sehr ernst und wichtig, um es gänzlich unerwähnt zu lassen.

  2. 22. November 2008, 03:44 | #2

    Kleinere grammatikalische Unstimmigkeiten sind bitte zu entschuldigen, es ist dann doch schon etwas spät. :)

  3. filtor
    22. November 2008, 11:52 | #3

    @ Marcus
    Nicht “kleinere grammatikalische Unstimmigkeiten” sind das Problem, sondern dass für Dich – wie für den RCDS – der Geheimdienst friedliche Menschen solange bespitzeln darf, wie das der Abwehr einer vermeintlichen kommunistischen Gefahr dient. Der Zweck heiligt also die Mittel.

    Wie wenig Du von gleicher Geltung der Menschenrechte hältst, zeigt auch der zynische Spruch, Hefendehl müsse ja fortan bloß auf die Jacke verzichten. Was ganz unverfroren nahelegt, dass sogar größere Beschränkungen seiner Lehr- und Meinungsfreiheit legitim gewesen wären.

    Die Reaktion von Rektor Schiewer ist mehr als befremdlich. Souverän und im Sinne der Wissenschaftsfreiheit wäre es gewesen, wenn er ganz unaufgeregt in den allgemeinen Spott über die publicity-Aktion des RCDS eingestimmt hätte.

  4. 22. November 2008, 19:20 | #4

    @filtor

    Wer den Verfassungsschutz per se in das Reich des Bösen verfrachtet und von “friedlichen Menschen” und einer “vermeintlichen kommunistischen Gefahr” spricht, übersieht dann doch großzügig einige verfassungsfeindliche Tendenzen, die es in der linksextremen (wie auch in der rechtsextremen) Szene gibt.

    Auch heiligt nicht der Zweck die Mittel, sondern gibt es klare Rechtsgrundlagen für das Einschreiten der staatlichen Sicherheitsorgane. Wenn diese sich nicht ans Recht halten, steht auch der Weg vor die Verwaltungsgerichte für die Betroffenen offen. Ich brauche nicht zu erwähnen, dass es eine voll entwickelte Verwaltungsgerichtsbarkeit in der DDR nicht gab. Ganz am Anfang und am Ende ihrer Existenz wurden kleinere Zugeständnisse gemacht. Letztlich ist das aber überhaupt nicht vergleichbar mit den Möglichkeiten, die jedem Deutschen heute offen stehen. Schon allein deshalb ist es ungehörig, dass Prof. Hefendehl hier ein Auferstehen der DDR erkennen möchte.

    Ich beschneide Prof. Hefendehl auch nicht durch “einen zynischen Spruch” in seiner Meinungs- oder Lehrfreiheit. Das Stilmittel der Ironie, gekennzeichnet, dürfte missverständliche Interpretationen vorgebeugt haben. Ich fordere von ihm lediglich ein wenig mehr historisches Feingefühl bei der Wahl seiner Kleidung. Wo hier ein Eingriff in den Schutzbereich seiner Grundrechte sein soll, vermag ich nicht zu erkennen. Zumal sich die Empfehlung allein auf seine Lehrveranstaltung beschränkt. Rektor Schiewer scheint das ähnlich zu sehen, ansonsten hätte er das nicht ebenfalls mehrfach öffentlich deutlich gemacht.

    Das “befremdlich” zu finden zeigt nicht gerade, dass du den Symbolgehalt der Hefendehl-Aktion dem Wert zumisst, den es verdient.

    Die öffentliche Reaktion habe ich ebenfalls anders wahrgenommen: Die Presseartikel, die ich gelesen habe (FAZ, Spiegel, Fudder), stellten nicht den RCDS sondern zurecht Prof. Hefendehl an den Pranger.

    Dass man den RCDS verabscheuen kann, mag ich ja gar nicht in Abrede stellen. Doch bitte verengt die Scheuklappen aus eurer Abneigung heraus nicht so sehr, dass ihr den Rest des sich dargelegten Bildes nicht mehr erkennen könnt.

  1. 25. November 2008, 09:50 | #1